1424 – 2014

 

Unser heutiges Schützenwesen reicht mit seinen Wurzeln bis tief in das Mittelalter zurück, ja man kann sagen, bis in die graue Vorzeit. Wie jedes Naturvolk bedienten sich auch unsere Urahnen der Schleuder, des Bogens und der Pfeile bei der Jagd, sowie auch im Kriegsfalle. In ruhigen Zeiten diente das Bogenschießen zum Zeitvertreib, zur Unterhaltung und daraus wurde ein Sport. Der wechselvolle Weg des Schützenwesens bildet somit einen Teil der Haller Stadtgeschichte.

Dazu ein Abriss aus der Haller Schützenchronik.

Darin werden zum ersten Mal im Jahre 1278 wehrhafte Haller erwähnt. Unser damaliger Landesfürst Graf und Herzog von Tirol und Kärnten Meinhard II:, war ein guter Freund des jungen Königs Rudolf von Habsburg. Dieser wurde aber vom König Ottokar II. von Böhmen gehasst und arg bedroht. In seiner Not bat König Rudolf seinen Tiroler Freund um Kriegshilfe. Dieser, um seinen fürstlichen Freund helfend beizustehen, gab den Brüdern Heinrich und Konrad von Aufenstein den Auftrag, im Lande an der Etsch und im Inntale zwei Heereszüge aufzustellen. Die Südtiroler, bei denen auch der Landesfürst war, zogen über das Pustertal nach Kärnten in die Steiermark, Die Inntaler sammelten sich in Hall, wo sich auch wahrscheinlich wehrhafte Haller Bürger einfanden.

Nun mussten aber alle verfügbaren Schiffe und Flöße aufgeboten werden, um diesen Heereszug auf dem Wasserweg nach Niederösterreich zu bringen. Dort entstand ein großes Heerlager und am 23. August 1278 wurde auf dem Marchfelds die größte Ritterschlacht des Mittelalters geschlagen, wobei König Rudolf als Sieger hervorging. Die mutigen Haller taten sich dabei besonders hervor.

Nachdem Graf Meinhard im Jahre 1282 die ganze Herrschaft im Inntale erhielt, erinnerte er sich der wehrhaften Haller Bürger, die damals durch Einsatz ihres Lebens ihre Zuneigung bewiesen haben. Damit sie nun ihren wohlverdienten Lohn empfangen, verfügte er, dass der große Zoll den Hallern verbleibe, damit sie den Ort mit einer Mauer umgeben und damit eine feste Stadt errichten sollen. Noch bevor aber diese Mauer fertig war, wurde dem Ort das Marktrecht verliehen. Im Jahre 1302 buchte der Pfleger des Gerichtes Thauer Steuernachlässe, weil die wehrhaften Bewohner seines Bezirkes im Auftrage des Landesfürsten Kriegszüge in den Süden des Landes unternehmen mussten, weil in der Nähe von Trient und im Nonsberg das Land vom Feind bedroht wurde.

Im Jahre 1303 als Hall zur Stadt erhoben wurde bestand wahrscheinlich schon eine Art Schützenbruderschaft, nur konnten keine Anhaltspunkte einer Gründung erforscht werden. Nun konnten die wehrhaften Haller ihre Stadt bei feindliche Angriffen nur durch schießen von Mauerzinnen schützen und daher kam es, dass sie sich im Schießen üben mussten mit Bogen oder Armbrust ein Ziel zu treffen. Die Ritterschaft stellt diese Art des Kampfes als „tückische und unritterliche Dinge“ dar, bewaffnete später aber ihre Knechte auch mit der Armbrust.

Die Armbrust ist eine Deutsche Erfindung und zu ihrer Verfertigung wurde das zähe, elastische Holz der Eiben verwendet, was wiederum dessen Bestand sehr verminderte, da ein richtiger Raubbau einsetzt. Die Tragweite und wohl auch die Treffsicherheit übertraf den Bogen bedeutend, ließ aber nicht ein so rasches Schießen zu.

Am 19. August 1336 wurden die wehrfähigen Bürger und Bauern vom Gericht Thaur zu den Waffen gerufen, da zum erstenmale die Bayern eingefallen waren. In der Nähe von Wörgl kam es zu Kämpfen und, nachdem die Feinde vertrieben waren, kehrten sie vom Feldzug wieder heim. Dann war wieder eine ruhige Zeit und die Schützen konnten an Sonntagen wieder am Schießplatz auf der Pygarwiese dem Schießsport huldigen.

Wie bekannt übergab 1363 die Landesfürstin Margarethe Maultasch das Land Tirol dem österreichischen Herzog Rudolf von Habsburg. Am 2. Februar kam dieser nach Hall um die Huldigung und den Treueid der Bürger entgegenzunehmen, wobei er versprach alle alten Rechte und Freiheiten zu belassen. Als er im August abermals hier eintraf, geriet er durch die Bayern und einigen Verrätern in arge Bedrängnis und nur durch das rasche mutige Eingreifen der wehrhaften Haller, konnte er gerettet werden. Rudolfs Dank war der große Freiheitsbrief vom 27. Oktober. Im Jahre 1368 mussten die Schützen den dritten bayrischen Einfall zurückschlagen und am 9. Juli 1386 waren sie auch wieder dabei, bei der unglücklichen Schlacht bei Sempach gegen die Eidgenossen.

Mit der Erfindung des Schießpulvers kamen auch gleich die ersten Feierwaffen auf, die einen gewaltigen Umschwung im ganzen Schützenwesen, sowie in der Kriegsführung mit sich brachten. Der Chronist Sebastian Ruef schreibt, dass auch in Hall das Schießpulver sehr früh in Verwendung gebracht worden sei. So wurden die aufständischen Rottenburger im Jahre 1410 auf Schloss Friedberg von den Hallern belagert. Der Landesfürst ließ die neuen Buxen, Steinkugeln und Pulver vom Haller Zeughause herunterbringen und die Volderer Brücke abtragen. Die bayrischen Herzöge ergaben sich und zogen ab.

Am 4. Jänner 1413 brachen sie abermals in Tirol ein, um mit starker Heeresmacht das Inntal zu erobern. Sie kamen aber nur bis zu den Haller Stadttoren, wo sie sich blutige Köpfe holten. Dafür schossen sie die Saline in Flammen und äscherten einen großen Teil von Absam ein, bevor sie abzogen.

Im Juli 1416 wurden durch den Habsburger Bruderzwist die Haller Schützen auch wieder aufgerufen. Diese standen auf Seite Herzog Friedels. Dabei wurden erstmals die kleinen Kugelpüchsen erprobt. Im nächsten Jahr wurde Friede geschlossen und anschließend wurden den Strakenburgern sowie den Rottenburgern einige Schlösser gebrochen.

Im Herbst 1423 kam der Landesfürst nach Hall und bedankte sich bei den wehrhaften Hallern für ihren heldenmütigen Einsatz und verbriefte ihnen neue Rechte und Freiheiten. Dem Bürgermeister und Schützenhauptmann riet er eine Schützenbruderschaft zu gründen und gemeinsam Schießen durchzuführen.

Die Gründung der Schützenbruderschaft in Hall im Inntale.

Der Bürgermeister und Schützenhauptmann Sigmund Kirchmayr vereinigte alle wehrfähigen Haller und gründete somit die Haller Schützenbruderschaft. Kaspar Fueger wurde zum Obermeister; Hans Fueger, Urban Siegwein, Pankraz Kripp und Leopold Fuxmagen wurden als Beiräte gewählt. Über diese Gründung freute sich der Landesfürst so sehr, dass er alle Stadt- und Schützenräte samt deren Gemahlinnen nach Innsbruck zum Hofball einladen ließ.

Da die alte „Schießhütt`n“ für die neuen Feuergewehre unbrauchbar war, ließ der Magistrat durch Nikolaus Gaisenhofer eine neue bauen. Im gleichen Jahr 1432 wurde dann das erste Freischießen mit Feuerwaffen durchgeführt.

Diese Zielbüxen wurden vorne aufgelegt, die rechte Hand hielt den Schaft, die linke hielt eine brennende Lunte, mit welcher das Geschoss abgefeuert wurde.

Der Landesfürst weilte immer gerne bei Bürger und Bauern, besonders aber unter den Schützengesellen, seinen Kampfgenossen. Die Schießsaison dauerte von Georgi bis Michaeli wobei die Stadt ihren Schützen fast immer Wein, Brot und Käse spendierte. Am 24. Juni 1439 starb der Herzog Friedl mit der leeren Tasche und wurde mit großer Trauer in Stams beigesetzt.

Am 27. April 1446 hielt sein Sohn Herzog Siegmund der Münzreiche seinen Einzug, Die Schützen wohlgerüstet und gewappnet begleiteten ihn nach Innsbruck an den Hof. Am ersten Sonntag kam er nach Hall und ließ sich einige neue Büchsen zeigen, die er auch ausprobierte. Zu dieser Zeit wurde auch schon alle Jahre am Jahresbeginn ein Lobamt gehalten und anschließend fand die Schützenbruderschaftsversammlung statt. Da Schützenmeister Kaspar Fueger verunglückte, wurde 1448 Hans Fueger, Schützenmeister. Das gute Vorbild des Landesfürsten hatte zur Folge, dass sich immer mehr Männer in die Bruderschaft eintragen ließen, so dass die Stadt immer mehr Büxen und Schießbedarf kaufen musste.

Ein zugewanderter Büxenmacher aus Augsburg, Urban Pfeilschifter, erhielt den Auftrag 35 Handbüchsen und 18 Schmerbüchsen anzufertigen. Diese waren leichter als die Hakenbüxen, welche hauptsächlich auf der Stadtmauer verwendet wurden.

Am 13. April 1460 bedrohte der Kardinal Nikolaus von Kusa den Landesfürsten mit einer Streitmacht. Gleich wurden die Haller Schützen aufgerufen und 42 Mann unter Hauptmann Christopf Wach und Iakob Fueger belagerten sein Schloss in Bruneck. Nun forderte der Papst die Schweizer auf, Tirol zu besetzen. Die Stadt Hall musste gleich ein Söldnerheer aufstellen und schickte diese Männer unter Führung Matthias Götzner an die Bedrohte Stelle.

Nachdem dieser Feldzug beendet war, schrieb die Stadt ein großes Freischießen zu Ehren des Landesfürsten aus. Die Beste(s.3,5) waren: Ein schön verzierter Ochs, ein mit bunten Bändern und Blumen geschmückter Widder, zwei schöne wertvolle Ringe und eine Anzahl Hühner. Dieses Schießen dauerte 3 Tage. Der Herzog Siegmund und sein Freund Ulrich von Frundsberg und dessen Büchsenmacher wurden beim Eintreffen stürmisch gefeiert. Die Chronik verzeichnet zum ersten Mal Pfeifer und Trommler. Auch Herzog Hans von Bayern war eingetroffen.

Die Vorstehung war: Johann Fueger, Schützenmeister, Jörg Sachs, Paus Heuberger, Iakob Hausmann, Matthias Götzner, Sebastian Kripp und Hans Siegwein Schützenräte.

Wie schon früher erwähnt, war Herzog Siegmund ein guter Jäger und eifriger Schütze und spendete alle Jahre etliche Ellen Tuch als Bestgaben. 1461 gab er ein großes Schießen, welches er selbst mit einem Meisterschuss eröffnete.

Vor allen versammelten Schützen ließ er folgende Urkunde verlesen:

Wir Sigmund von Gottes Gnaden Herzog zu Österreich, zu Steyer zu Kärnten & zu Krain, Graf zu Tirol etc. bekennen:

Als die ehrbaren unsere lieben, getreuen der Bürgermeister & Rath unserer Stadt Hall im Inntale, unsere Stadt mit Schützen und Schießzeug gemehrt und gestärkt werden. Also, dass sie den Schützen alle Sonntage vor St. Jörgentag, bis auf den Sonntag daran es ausgehen wird nach St. Gallentag, eine Elle Tuch zu und Vornehmen durch sie erfunden und gemachte einhalten, dass wir ihnen dazu aus besonderer Gunst und Willen zur Mehrung ihres guten und nützlichen Fürnehmens einen ganzen Knollen Salz dazu zu geben haben, in Kraft deses Briefes. Also, dass sie wöchentlich, ob man schieße oder nicht, aus dem Pfannhause erhalten und nehmen solle.

Demnach empfehlen wir unseren getreuen, lieben Martin Sweythart unseren Rath und Salzmayer zu Hall und einen jeden künftigen unserer Sazlmayre daselbst ernstlich und wollen, dass ihr (sie) solche Knollen wie oben erwähnt ist, alle Wochen auf den Sonntag gereicht und gebt und ihnen davon kein Verziehen thut, doch bis auf unser Wiederrufen, ungefährlich. Mit Urkund des Briefes, gegeben zu Innsbruck am Sonntag nach St. Iakobustag des hl. Zwölfpoter nach Chr. Geburt Vierzehnhundert und in dem einundsechzigsten Jahre.

27. Juli 1461 (Ein Knollen Salz wog 2 Zentner & 97 Pfund). Daraufhin übergab der Herzog diese Urkunde dem Schützenmeister Hans Fueger. Das Original dieser Urkunde war bis vor einigen Jahren bei der Schützengilde Hall und ist abhandengekommen.

Dieses Beste war für die Trag- oder Probierscheibe verwendet, damit jeder Schütze, auch der weniger geübte, einen Teil dieses aufgeteilten Salzknollen bekommen konnte. Sie durften also „mitschlecken“! Somit ist eindeutig klar, dass der Name „Schlecker“ vom Haller Schießstand seinen Ursprung hat.

Trotzdem die Landesfürstin Claudia v. Medici im Jahre 1636 diese Salzknollenbestgaben einstellen ließ, blieb der Name Schleckerscheibe bis auf den heutigen Tag beibehalten. In den folgenden Jahren veranstaltete der Landesfürst öfter größere Jagden, wobei er auch deutsche Fürsten dazu einlud. Im Frühling 1464 wurde mit den Schweizern Friede geschlossen. An den Verhandlungen nahmen Mathäus Götzner und Christoph Wach teil. Hans Sigwein hängte das große Stadtsiegel an die Friedensurkunde.

Im Jahre 1469 wurde das Schießpulver verbessert und 1473 wurden (S.4,5) wieder mehrere Handbüxen sowie Pulver und Blei angekauft und im Zeughause deponiert. Wegen der Türkengefahr wurden wieder die Haller Schützen aufgerufen und unter Kommando von Heinrich Weinzirl nach Tilliach geschickt. Es ist bekannt, dass sie einheitlich eingekleidet waren. Es kam zu keinen Kampfhandlungen. Nachdem die Stadt 1481 alle Büchsen in Ordnung bringen ließ, wurde am Grillenbichl ein großes Freischießen ausgetragen, wobei die meisten Beste Hosentuch waren. Die Treffer der Armbruster waren sicherer, aber die Büchsenschützen schossen weittragender und zerstörender. Die Schützen wurden mit Käs, Brot und Bier bewirtet. Im gleichen Jahr vermählte sich der Herzog mit Katharina von Sachsen. Die Stadt ließ für 25 Büchsenschützen eine einheitliche Tracht hierzu anfertigen. Der Bürgermeister Nikolaus Fueger brachte ein wertvolles Trinkgeschirr, als Geschenk der Stadt Hall. Im Juli 1485 zogen abermals die 24 Schützen unter Hauptmann Nikolaus Fueger nach Innsbruck zum Empfang des Kaisers Friedrich III. welcher dann auch nach Hall kam und die Saline, sowie den Schießstand besichtigte.

In der Fastnacht 1486 gab der Herzog im Haller Rathause ein großes Mahl und am nächsten Tag hielt er dort einen Landtag, wobei die Schützen die Ehrenwache stellten.

Wegen dem Einfall der Venetianer(S.5) im Jahre 1487 mussten bei 400 Schützen von Hall und Umgebung aufgeboten und nach dem Süden des Landesgeschickt werden. Nachdem sie in Caliano eine glänzende Waffentat machten und den Feind vertrieben hatten, wurden sie bei ihrem Eintreffen in Hall stürmisch gefeiert. Jeder Zug hatte seine Pfeifer und Trommler bei sich. Die Überlegenheit der Feuerwaffen hatte zum Siege geführt, und das nur, weil die Schützen auf der Schießhütt’n fleißig geübt hatten. Im Mai 1489 brachte der Herzog seinen Vetter König Maximilian nach Hall zur Jagd, wobei die Schützen ein aus Silber getriebenes, vergoldetes Trinkgeschirr spendeten. Das Geschenk des Herzogs waren zwei große Geschütze. In einer Schenkungsurkunde vom König Max I. wo er den Schützen ein Haus beim Sparberegg (St. Josefshaus) schenkte steht erstmals der name „Sebastiani-Schützenbruderschaft“.

Beim Sebastiani-Schützenjahrtag 1498 wurden: Matthias Götzner Schützenmeister; Konrad Knoll, Hans Ahorn, Jörg Sax, Christian Huber und Sebastian Fueger Schützenräte.

Am 13. März 1499 mussten schnell 100 Schützen mit Hauptmann Benedikt Kolb ins Vintschgau, weil dort die Eidgenossen eingebrochen waren. Fähnrich war Hans Holzer. Bald darauf musste eine zweite Kompanie unter Hauptmann Lorenz Wirth und Fähnrich Otto Weibl nachgeschickt werden. Immer mussten noch weitere Schützen nachgeschickt werden, denn diese Kämpfe waren überaus erbittert geführt worden. In 13 Schlachten verloren fast 20.000 Menschen das Leben, wobei das ganze Vintschgau ausgebrannt und vernichtet wurde. Nachdem die Wunden wieder zum Teil verheilt waren kam König Max I. wieder nach Hall und verlieh dem Stadtwappen zwei goldene Löwen als Anerkennung für den tapferen Einsatz der Schützen.

Zur Stadterhebungsfeier 200 Jahre Stadt Hall gab diese ein großes Fest und Freischießen, mit zahlreichen Besten.(S.5,5)

Im April 1508 drangen wieder die Venetier in Tirol ein, was zur Folge hatte, dass die Stadt wieder einige Schützenkompanien abfertigen musste, ja sie musste sogar für den Sold aufkommen, da der König Max I. kein Geld hatte. Dieser Krieg dauerte bis 1516 und forderte immer wieder Schützen und Söldner. Inzwischen ist der König auf röm. Kaiser geworden und gab 1511 das Landlibell heraus. Es würde zu weit führen hier alle Kriege und Feldzüge aufzuschreiben. Auf Grund des Landlibells wurde die Stadt verpflichtet, beim ersten 79 Mann, beim zweiten 119 Mann und beim dritten Aufgebot 159 Mann zu stellen.

Am Sebastianitag 1525 begannen unter Führung von Michael Geismayr die Bauernunruhen welche zwei Jahre dauerten.

Die Schießhütt’n außer der Stadtmauer stand wegen der Spitalsnähe am falschen Platz, da das Schießen mit den Feuerbüchsen zu viel Lärm für die Kranken machte. 1536 beschloss der Stadtrat, den Schützen neben der Glashütte eine Schießhütte zu errichten. Dieser wurde vom Bürgermeister Sigmund Kripp eröffnet. Am 1. Juli 1540 kam eine neue Schießordnung heraus.

Viel Unruhe und Aufregung verursachte der schmalkaldische Krieg. Am 2. Juli 1546 mussten von Hall 247 Schützen unter Hauptmann Paul Gumann (S.6) zur Ehrenberger Klause abmarschieren. Dort gab es mehrere Gefechte und am 6. Oktober waren alle wieder in Hall. Am 31.kam Kaiser Karl V. nach Hall und wohnte in Hasegg. Hierzu waren über 200 Schützen aufmarschiert. Im Jänner 1567 kam der neue Landesfürst Erzherzog Ferdinand II. nach Tirol, wobei ihm beim Einzug in Hall ein großartiger Empfang bereitet wurde. Er ließ sich die neuesten Zielbüchsen  zeigen und besichtigte das Zeughaus.

Im März 1582 mussten Verzeichnisse über alle einrollierten Schützen angelegt werden. Nachdem 1595 der Landesfürst gestorben war, kam sein Nachfolger Erzherzog Maximilian III. der auch für die Schützen und das Schießwesen sehr viel übrig hatte. 1604 waren die ersten Musterungen, aber der dreißigjährige Krieg machte in Tirol keine Stellungen notwendig. Die Hochzeit Erzherzog Leopold V. wurde in Innsbruck am 18. April 1626 unerhörter Pracht gefeiert, wobei auch viele Haller Schützen aufmarschierten. Nach dem großen Landes-Festzug wurde ein großes Freischießen gegeben. Ab 1635 wurde der hl. Sebastian auch Pestpatron und sein Tag wurde ein Feiertag. Im Jahre 1659 wurde zum ersten mal der Landesfürst Erzherzog Ferdinand „Landes Obrist Schützenmeister“. Von nun ab wurde der jeweilige Landesfürst oder Statthalten in Tirol mit diesem Amte betraut. Er ließ auch die landesfürstlichen Gnadengaben erhöhen. 1657 wurde ein neuer Schießstand auf der Lend von der Stadt erbaut, der einen gedeckten Zielerstand und vier scheiben hatte und zu Georgi eröffnet wurde. Von da an waren immer Trommler und Schwögler bei jedem Schießen anwesend.

Im Jahre 1670 den 17. Juli ereignete sich in Hall ein schweres Erdbeben, wobei der Turm der Schützen arg beschädigt wurde. Die Stiftsdamen kauften ihn.

Am 18. Juni 1703 drangen 2.500 Franzosen und 9.000 Bayern in Tirol ein und erstürmten am 25. die Stadt Hall. Der größte Teil der Feinde stürmte weiter bis Landeck, aber bei der Pontlatzer Brücke vernichteten die Oberländer fast das ganze Heer. Aus den umliegenden Dörfern kamen Bauern herbei und vereint mit den Haller Schützen erschlugen sie 300 Bayern, welche südwestlich der Pfarrkirche in einem Massengrab liegen. Die übrig gebliebenen Feinde zogen wieder ab und in Hall konnte nach dem wegräumen der Kriegsspuren die 400 Jahrfeier der Stadterhebung behangen werden. Beim Schützenjahrtag 1713 wurde Kaspar Laimgruber, Oberschützenmeister und Fr. Dietrich Aniser Schützenmeister. Da die alte Schützenfahne durch Kreigseinwirkung arg mitgenommen war, wurde 1715 eine neue gemacht, die heutige Singeserfahne mit dem Marienbild darauf. Im darauffolgenden Jahr wurde ein neues Matrikelbuch angelegt, das wie so vieles andere leider verschwunden ist.

Eine kleine Standesliste von 1718: Der Salmayr Joh. Baptist von Fenner, der Bürgermeister Johann Aichinger;

Oberschützenmeister Martin Asch, Schützenmeister Dietrich Aniser, Räte: Fr. Xaver Högwein, Paul Stock, Johann Strobl, Rauth, Täsch, Linser, Dollinger, Sturmb, Farbmacher, Kolb, Listl, Perhamb, Perg, Färber, Mutschlechner, Ch. Ignaz Korporat, Schützenschreiber. Jedes Jahr wurde nun beim Sebastiani-Schützenjahrtag ein Lobamt für die verstorbenen und gefallenen Schützen der Haller Bruderschaft abgehalten und anschließend eine Jahreshauptversammlung abgehalten.

Kaiser Karl VI. ließ im Jahre 1734 sämtliche einrollierte Schützenlisten vorllegen, damit er wegen der Landesverteidigung eine genaue Übersicht hatte und dementsprechende Schützengaben auslegen konnte. Er ließ auch neue Schützen Schießstandordnungen an alle Schießstände ausgeben in welchen hervorgehoben wurde, dass die Schützen bei der Landesverteidigung immer ihr bestes geleistet hatte. Er bestellte auch den jeweiligen Landes-Oberschützenmeister. Es wurde auch gemustert und alle wehrtauglichen Männer kamen zur „Landmiliz“, die im Ernstfalle als Erste an die bedrohte Front abgehen mussten. Ab 1745 musste jeder einen Stutzen haben, die ärmeren erhielten einen solchen vom Ärar.

Am 25. Mai 1739 kam die Kaisertochter Maria Theresia mit ihrem Gemahl zum ersten mal nach Tirol und wurde von der ganzen Bevölkerung stürmisch gefeiert. Von Hall rückte eine Kompanie Miliz und eine Schützenkompanie aus. Hauptleute waren Josef Lanser und Sigmund Lösch. Musik bestehend aus zwei Pfeifer und zwei Trommler waren bei jeder Kompanie, sowie je eine Fahne. Es ist wohl nicht notwendig hier die alljährigen Sebastiani-Schützenjahrtage zu erwähnen und es würde auch zu weit führen die jeweiligen Neuwahlen hier anzuführen.

Zur Geburtstagsfeier für den ersten Sohn Erzh. Josef II. im Mai 1741 gab die Erzfürstliche Hauptschützengesellschaft in Innsbruck ein großes Freischießen. In Hall wurde an jeden Sonntag fleißig geschossen, besonders zum Kirchweih und Martini. Am 24. Juli 1756 ernannte Kaiserin M. Theresia den Landeshauptmann Graf v. Wolkenstein zum Lds. Obrist(S.7 unten)-Schützenmeister von Tirol. Con da an wurde immer der jeweilige Landeshauptmann, auch Landes Oberst-Schützenmeister.

Zur Vereinigungsfeier 400 Jahre Tirol bei Österreich wurde in Hall ein großes Freischießen abgehalten.

Im Jahre 1765 kam die Kaiserin M. Theresia mit ihrem Gemahl und dem Kronprinzen Josef über das Pustertal, Brenner nach Hall und Innsbruck. Am 23. Juli wurde ihr beim Huldigungsempfang in Hall die größte Sympathie entgegengebracht. Die Schützen übernahmen die Ehrenwache und im Magdalenen Saal wurde ein großes Festmahl gegeben. Am 5 August rückten die Schützen mit Musik und Fahnen zur Parade nach Innsbruck aus, da die Braut des zweiten Kaisersohnes Erzh. Leopold, die spanische Infantin M. Ludowike vom Süden her eintraf. ??(S7,5) Kaiser Franz und sein Bruder Karl besichtigten das Haller Bergwerk. In Innsbruck wurde vom 4. bis 12. August ein großes Kaiserschießen gegeben, wo 1.400 Schützen aus nah und fern sich beteiligten. Zur selben Zeit wurde die prunkvolle Hochzeit des Kaisersohns gefeiert. Beim feierlichen Abschluss gab der Kaiser selbst den letzten Schuss ab und am Abend desselben Tages ereilte im plötzlich der Tod. Große Trauer überzog das ganze Land Tirol und die Haller Schützen gaben ihm bis zur Haller Lend das letzte Geleit. Am 2. September fuhr die Kaiserin selbst in Begleitung von 22 Schiffen von Hall nach Wien.

Ein Schütze des seinen Wohnort wechselte und einer anderen Schützengesellschaft beitreten wollte, bekam ein Attest über sein persönliches Verhalten ausgestellt. Es muss hier erwähnt werden, dass in Hall das Armbrustschießen immer noch fleißig geübt wurde, weil es billiger war. Diese Schützen benützten noch immer den Alten Schießstand hinter dem Spital, weil sie keinen Lärm verursachten. Die Feuerschützen waren bei der Glashütte auf der Lend.

Als Kaiser Josef II. die Regierung übernahm, löste er alle Bruderschaften auf, auch die St. Sebastiani-Schützenbruderschaft, aber das machte den Haller Schützen nicht viel aus, sie änderten nur den Namen und hießen nun Haller-Schützen-Gesellschaft.

Vom Sebastiani-Schützenjahrtag 1790 ist uns die älteste Standesliste erhalten geblieben worauf 109 Schützen aufgeschrieben sind. Die Sammlung ergab fast 60 Gulden, was gleichzeitig der Mitgliedsbeitrag war.

Nachdem der junge Kaiser Josef II. gestorben war, wurde sein Bruder Leopold II. Kaiser. Hierzu rückte am 27. Juli 1790 die Haller Schützenkompanie mit Fahne und 9 Musikanten nach Innsbruck aus. Hauptmann Bartlmä Penz mit 96 Mann.

So berichtet uns die Chronik gar vieles aus der guten alten Zeit, von Fürstenehrung, Bürgertugend und auch Kriegszügen, welche den Schützen im Lauf des Jahrhunderte reichlich zuteil geworden ist.

Als nach der französischen Revolution General Napoleon in Italien einfiel, wurde es auch in der österreichischen Lombardei unruhig. Gleich darauf wurden alle wehrfähigen Männer zu den Waffen gerufen und schon am 14. Mai 1796 fiel Mailand. Da das Militär von Tirol abgezogen wurde, musste das Land sich selbst verteidigen. In Bozen versammelten sich die Tiroler Landesstände und gelobten auf ewige Zeiten im Herz-Jesu-Sonntag im ganzen Lande Prozessionen abzuhalten, wenn diese Feindgefahr gut vorübergehe. Gleich darauf ergriffen alle Schützen ihre Stutzen, oder was sonst zu Verteidigung brauchbar war und eilten an die bedrohten Landesgrenzen, Als Napoleon die Tiroler aufforderte, keinen Widerstand zu leisten, wurde die Begeisterung nur noch mehr entflammt. Anfang Juni waren schon über 6.000 Schützen an der Grenze, was aber noch zu wenig war, da der Feind mehrfach überlegen war. Bei Trient konnte er endlich aufgehalten und im November sogar zurückgeworfen werden. Viele Tiroler Bergknappen von Schwaz, Hall und Sterzing wurden ins Vintschgau geschickt um dort Schanzen zu errichten, da man einen Einfall vom Engadin befürchten musste. Die Haller Kompanie war über hundert Mann unter Hauptmann Joh. Peter v. Tausch, Oblt, Bartlmä Penz, Unterlt. Hans Rust und Fähnrich Fr. Josef v. Aichinger. Diese Kompanie wurde von Südtirol abgezogen und nach Ehrnberg geschickt, wo sie Ende September bis Anfang August große siegreiche Kämpfe zu bestehen hatten. Die Spingeserfahne erhielt damals ihre Feuertaufe und einige Schützen wurden wegen ihrer Tapferkeit ausgezeichnet, da sie gegen einer riesigen Übermacht, sehr beachtliche Erfolge erzielten. Der Vorteil war, dass die Schützen aus sicherer Deckung gut gezielte Schüsse wie am Schießstand abgaben, welche jedes Mal sicherer Treffer waren. Nachdem der Feind die Lust auf einen weiteren Angriff genommen war, trafen die Haller am 5. Oktober wieder ein, wo sie von der Bevölkerung stürmisch gefeiert wurden. Vorher war eine zweite Kompanie unter Hauptmann Johann Reinhart in den Süden geschickt worden. Diese hatte Kämpfe bei Ferla, Alle Villa und Monte Korona zu bestehen und zeichnete sich besonders gut aus.

Inzwischen wurde von Hall eine dritte Kompanie unter Hauptmann Josef v. Wallpach nach Südtirol geschickt, welche durch ihre siegreichen Kämpfe schließlich den Fein zurückschlugen und zwar unter die Tiroler Grenzen. Fast unbeschreiblich waren die Freude und der Jubel der Haller Bevölkerung beim Einmarsch der siegreichen Schützen.

Einige Schützen erhielten Auszeichnungen, ebenso auch die Fahne, vier sind gefallen und einige Verwundete waren zu beklagen.

Der Sebastiani-Schützenjahrtag 1797 konnte nicht wie üblich gefeiert werden, denn es war ein erneuter Angriff der Franzosen zu befürchten. Das österreichische Heer wurde zurückgedrängt und General Joubert begann mit einer gewaltigen Offensive, der das Militär nicht mehr Stand halten konnte, und sich weiter nach Norden absetzen musste. 100 Bergleute aus Hall mussten eilends nach Trient, um dort Schanzen zu errichten. Am 11. Februar musste auch schon die erste Haller Scharfschützenkompanie unter Hauptmann Josef v. Wallpach mit 139 Mann nach dem Süden abmarschieren wo sie nach einigen Tagen in Palu eintrafen. Nach einigen Kämpfen konnten sie den Feind bis unter Villa zurückdrängen und auf den Abhängen Vorposten beziehen, Nachdem sich die Feinde wieder erholt hatten setzten sie am 2. März zu einem überraschenden Angriff auf Faedo und Monte Vorona an. Viermal stärker war die feindliche Streitmacht, so dass die Schützen zum Rückzug gezwungen wurden. Doch nachdem diese Verstärkung erhielten gingen sie zum Gegenangriff über und schlugen die Feinde weit über Lavis hinunter. Inzwischen wurde in Hall eine neue Kompanie unter Hauptmann Wenser mit 122 Mann aufgestellt, welche gleich in Marsch gesetzt wurde und die erste Kompanie ablösen musste. Diese salzamtliche Kompanie musste vorerst in Sterzing als Reserve bleiben. Kaum war die erste Kompanie in Hall eingetroffen, musste wegen der zunehmend schwierigen Lage eine dritte Kompanie unter Hauptmann Franz Domanig mit 190 Mann marschbereit gemacht werden. Ende März erfolgte der Abmarsch nach Sterzing. Dort angekommen mussten sie gleich weiter und zwar im dichten Neben durch Schluchten und vereisten Felssteigen auf das 2211m hohe Fenserjoch hinauf, wo schon wieder ein frisch gefallener Schnee lag, dann jenseits zur Eggeralm hinunter nach Fens. Am frühen Morgen des 31. März vereinigten sie sich mit en Fenser Schützen und zogen weiter nach Durnholz und mit den Durnholzer Schützen überstiegen sie mit ungeheuren Strapazen im Neuschnee die Schalderer-Scharte 2300m und sammelten sich bei Schaders.

Am 1. April erfolgte der erste Angriff, wobei Wahra überrannt wurde. Am nächsten Tag stürzten sich plötzlich die Haller auf die ahnungslosen Franzosen, und griffen diese von der Flanke her an. Zuerst begann ein lebhaftes Feuern und mit gut gezielten Schüssen, wobei die Reihen ziemlich gelichtet wurden, aber dann kamen die Reserven mit einer ungewöhnlichen Stärke, dass die Schützen beinahe wankend wurden. Da, im richtigen Moment tauchte der Wörndle auf, riss einem sterbenden Bauern die Büchse aus der Hand, stürmte voran und schie: „Niederschlog’n, olle niederschlog’n!“ Das gab den Schützen wieder neuen Mut und sie stürmten sich auf die Feinde, worauf sich ein mörderisches Gefecht entspann, Die Haller kämpften mit warem Löwenmut und ihre umgekehrten Stutzen sausten unvermindert auf die feindlichen Köpfe nieder Mann gegen Mann und ohne Pardon. Wohl mancher Schütze musste dabei auch sein Leben hingeben, aber erst dann, wenn er vorher einige Feinde niedergestreckt hatte, denn es ging ja um die Freiheit des Landes Tirol. Um 1 Uhr nachmittags war der Feind Besiegt und von den Höhen bei Spinges heruntergeworfen. Das war in kurzen Sätzen die Schlacht bei Spinges, wobei 19 Schützen gefallen sind und viele verwundet wurden. Nach einer kurzen Atempause entbrannte der Abwehrkampf aufs Neue, weil die Feinde 1800 Mann herangebracht hatten. Die ermatteten Landesverteidiger konnten sich kaum mehr weiterschleppen, aber als die Franzosen angriffen, schlugen sie alles nieder was erreichbar war und nach einer kurzen, aber mit äußerster Anstrengung geführten Schlacht wurde der Gegner, der in wilder Auflösung war, in das Tal hinuntergeworfen. Um 9 Uhr abends fielen die Schützen vor Ermattung um und schliefen ein, wenn nicht Reserven gekommen wären und alle mitgenommen hätten, hätten sie erfrieren müssen. Niemand dachte mehr an Verfolgung, ja die Feinde merkten nicht einmal den Abzug der Tiroler.

Am 4. April besetzte General Laudon mit seinen Reserven die Bozener Stadt, was unter großem Jubel gefeiert wurde und zwang die Feinde zum endgültigen Abzug.

Der Jubel der heimkehrenden Sieger wurde in Innsbruck, sowie auch in Hall unbeschreiblich und für jeden Kämpfer ein Erlebnis. Die „Spingeser-Fahne“ wie sie von nun an geheißen wurde erhielt vom Kaiser die Goldene Medaille an einer silbernen Kette verliehen. Zahlreiche Schützen wurden mit Silbermedaillen ausgezeichnet. Diese Ehrung erfolgte am 29. Mai 1798 in Innsbruck durch die Erzherzogin Elisabeth vor der Hofburg, wo zahlreiche Schützenkompanien aus nah und fern mit ihren Fahnen aufmarschiert waren. Die Kaisertochter hielt in besonders herzlicher Art eine Anrede an die Kämpfer, wobei sie auch an die Gefallenen und die Hinterbliebenen gedachte. Die Haller & Thaurer Schützen erhielten 8 große und 18 kleine Ehrenmedaillen verliehen. 47 Mann waren gefallen.

Diejenigen Tiroler, welche der Meinung waren, dass nun Friede sei, wurden schwer enttäuscht, denn am 19. März 1799 näherte sich der Franzose abermals vom Engadin her dem Tauferertale. Am 25. März musste Hall wieder eine Schützenkompanie unter Hauptmann und Bürgermeister Franz Josef v. Aichinger mit 129 Männer an die bedrohte Landesgrenze schicken. Unter dem Oberbefehl von General Laudon erlitt das österreichische Heer schon am Anfang gewaltige Verluste. Die größte Schlacht wurde am 4. & 5. April geführt, wobei die Schützen eingesetzt waren,, die nachdem sie die ganze Munition aufgebraucht hatten, nach altem Tiroler Brauch den Stutzen umkehrten und die Feine niederschlugen. Dies war ein kurzer, aber erbitterter Kampf, der den Kaiserlichen und Schützen bei 2.400 Mann an Toten und Verwundeten hat (S.10,5). Die Haller Schützen haben allein 22 Mann eingebüßt und viele Blessierte.

Im Jahre 1800 wurde Tirol abermals vom Feinde bedroht und die Haller Schützen mussten mit einer Kompanie unter Hauptmann von Wallpach am 22. März einen starken Angriff bei Feldkirch abwehren. Kurz nachdem die Kämpfer daheim waren, mussten sie abermals ausrücken und am 12. & 13. Juli die am Kniepaß eingedrungenen Feinde zurückzuwerfen. Außerdem musste noch zweimal der Hauptmann Franz Reinhart über den Fern und in das Gaistal, wo noch schwache feindliche Angriffe abzuwehren waren. Am 28. August 1802 erlässt Kaiser Franz II. eine neue Landesverteidigungsordnung für Tirol nach den bisherigen Grundlagen, nämlich Landmiliz, Standschützen & Landsturm, wobei zu ersten Mal der Name „Standschützen“ aufscheint.

Vom 4. Bis 9. Oktober gab der Erzherzog Johann in Innsbruck ein großes Freischießen mit schönen Besten. Der vom Anfang bekannte Stechschuss wurde nun „Hauptschuss“ genannt, die Hauptscheibe als Tiefschussscheibe.

Die Schützenchronik berichtet am 15. Mai 1801 von einer Schützenmusikbanda unter Michael Walch.

Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass der junge Kronenwirt Josef Ignaz Straub schon 1797 mit den Haller Schützen ausgezogen ist und schon am 25. März der Heimat einen besonderen Dienst erwies, indem er bei Vahrn den Feinen einige Wagen Korn abnahm und nach Sterzing führte, es waren 600 Star. 1802 ließ er sich beim Haller K.K.Schießstand ein rollieren, 1805 wurde er Unterschützenmeister. 1807 wurde er zum Schützenhauptmann der bürgerlichen „Standes-Scharfschützenkompanie“ gewählt.

Nachdem sich Napoleon die französische Krone aufgesetzt hatte, überfiel sein Herr blitzschnell die österreichischen Truppen unter Erzherzog Kar, zwang sie zum Rückzug und marschierte am 14. November in Wien ein. Tirol wurde von Scharnitz her überrannt. Der Preßburger Friede vom 26. Dezember 1805 brachte die Abtrennung Tirols von Österreich und den Anschluss an Bayern mit sich. Der neue bayrische König Maximilian Josef war nun Tiroler Landesfürst. Gleich wurde der alte Name „Tirol“ abgeschafft, die Stände aufgehoben und viele alte verbriefte Rechte und Freiheiten wanderten in den Papierkorb.

1807 kamen starke bayrische Garnisonen nach Tirol, das jetzt Oberbayern hieß. Der König sicherte seinen lieben Tirolern den Fortbestand der gewohnten Verhältnisse und die Förderung des Schützenwesen zu und am 10. November 1808 war in Innsbruck die größte aber letzte Parade, bei der auch eine Haller Kompanie mitmarschierte.

Das Jahr 1809 zog Tirol in den Mittelpunkt folgenschwerer Ereignisse. Der Sebastini-Schützenjahrtag wurde in gewohnter Weise mit Lob Amt und Musik gefeiert. Oberschützenmeister wurde Johann Nepomuk von Aichinger; Untererschützenmeister wurde Ignaz Hosp und Schützenschreiber wurde Johann Kleiber.

Am 11. Februar besuchte Andreas Hofer von Wien kommend den Kronenwirt Straub. Dieser musste ihn eidlich versprechen, die Organisierung der Landesverteidigung und der geplanten allgemeinen Volkserhebung im Raume Hall, Innsbruck und Umgebung geheim durchzuführen. Dieser besprach sich nun wiederum mit dem Bürgermeister und den Hauptleuten des Bezirkes. Laufzettel wanderten von Hand zu Hand, auf den Schießständen meldeten sich viele Freiwillige und gründeten Schützenkompanien.

Am Morgen des 9. April 1809 marschierte österreichisches Militär unter großem Jubel in Lienz ein, ohne auf einen Feind zu stoßen. Dieser Siegeszug ging weiter und erreichte am 11. Brixen. Viele Schützenkompanien der Umgebung stürmten von allen Seiten die Stadt Hall und nahmen die Bayern gefangen. Nur die Haller und Volderer Innbrücke hielten die Feinde noch besetzt, aber schon kam Speckbacher mit den Rettenberger und Volderer Schützen, stürmte die Volderer Brücke und nahm die Bayern gefangen. Gleich darauf eilte er mit seinen Schützen zur Haller Innbrücke, wo er einen äußerst heftigen Kampf führte. Anschließend drang er mit seinen Leuten durch das Münzertor in die Stadt ein worauf jeder feindliche Widerstand aufhörte.

In der folgenden Nacht wurde bekannt, dass feindliche Truppen von Steinach her im Anmarsch seien, worauf Straub schnell die Haller Schützen nach Wilten zur Sillbrücke schickte. Am Paschberg mussten sie eine bayrische Kompanie entwaffnen. Der Jubel der siegreichen Tiroler fand keine Grenzen und Straub war bestrebt mit den Schützen die Ordnung zu überwachen.

Am Abend des 13. April war Tirol wieder frei vom Feind.

Durch die vorangegangen Kriegsereignisse ist Tirol in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten, wodurch beschlossen wurde, dass den Schützenhauptmann Hutter und Josef Ign. Straub zum Kaiser um Hilfe zu schicken, Sie erhielten auch über 200.000 Gulden, sowie sehr viel Pulver und Blei, was die Beiden in Ordnung nach Tirol brachten. Kaum in der Heimat angekommen, mussten die Schützen schon wieder aufgeboten werden, weil der Feind im Anmarsch war. Das Land wurde wieder besetzt. Die Tiroler Schützen rüsteten zum Angriff.

Am 29. Mai wurde die Volderer Brücke abgetragen und gleich darauf begann der offene Kampf gegen die Bayern. Kurz nachdem diese überwältigt waren, eilte Speckbacher mit den Haller Schützen zur Haller Innbrücke um auch diese in seine Hand zu bekommen. Erst nach dreimaligen Anstürmen gelang es ihnen die Feinde über die halbe Brücke zurück zu drängen. Von zwei Kanonen, die immer in unsere Reihen hineinfeuerten, ließ Speckbacher die Kanoniere abschießen und anschließend gelang ihm die Feine vollends zurück zu schlagen. Die Stadt Hall war wieder frei. Die Bayern wurden entwaffnet und durch das Unterinntal abgeschoben. In ganz Tirol wurden Dankgottesdienste abgehalten. Weger der großen Münzennot, ließ Andreas Hofer im Münzerturm die(S.12) berühmte Hoferzwanziger prägen.

Die Feine gaben noch keine Ruhe und am 28. Juli überschritten schon wieder 50.000 Bayern und Franzosen mit 40 Kanonen die Grenze beim Pass Strup, um die Tiroler endgültig zu unterwerfen. Und wieder wurden die Schützen zu den Waffen gerufen, aber die Begeisterung wurde auch schon flau, da sie es für zwecklos hielten, gegen eine solche Übermach zu kämpfen. Am 30. Juli wurde Hall eingenommen und sofort ließen sich nach Straub und Speckbacher suchen, die man beiden hängen lassen wollte. Inzwischen wurde ein Großteil der Franzosen bei der Pontlatzer Brücke aufgerieben. In Südtirol wurde überall Straßensperren errichtet und am 4. August wurde der Großteil der Sachsen vernichtet (Sachsenklemme) der nachkommenden Reserve ging es nicht besser. Solche Nachrichten wirkten wieder belebend auf die Gemüter der Landesverteidiger und mit neuem Mut meldeten sich wieder zahlreiche Freiwillige. Am 12. August war der Sammeltag und am nächsten Tag, es war ein Sonntag, wo die Feinde keinen Angriff der Tiroler vermuteten, wurde losgeschlagen. In den frühesten Morgenstunden stürmten die Haller über den Kienberg herunter und nach kurzem heftigen Kampf konnte die Haller Innbrücke eingenommen werden, und gleich darauf auch die Stadt. Während dieser Zeit tobte in Innsbruck am Berg Isel die schwerste Schlacht des ganzen Volksaufstandes. Am nächsten Tag zogen die geschlagenen Feinde durch das Unterinntal ab und Tirol wurde abermals frei. Speckbacher gab sich aber noch nicht zufrieden und verfolgte die Feinde bis zum Pass Strub. Anschließend kehrten die meisten Schützen wieder nach Hall zurück. Am 14. Oktober wurde beim Friedensvertrag Tirol abermals den Bayern zugesprochen. Gleich darauf erging von Napoleon der Befehl, Tirol unter allen Umständen zu unterwerfen und setzte gleich 50.000 Mann in Marsch. Die Schützen, welche bei Melleck mit Speckbacher waren, wurden durch Verrat umgangen, eingekreist und entwaffnet. Nur Speckbacher, der ganz wild um sich schlug, dabei aber verwundet wurde, konnte sich durch einen tollkühnen Sprung von der Gefangennahme retten. Aber sein Sohn Anderl war das nicht mehr möglich. Da wo er vor drei Wochen seinen schönsten Sieg errang, erlebte er seinen schwärzesten Tag. 300 Schützen tot und 400 in Gefangenschaft. Der feindliche Vormarsch ging unaufhaltsam weiter und das Land wurde nun endgültig unterworfen, und blieb es auch bis 1814. Am 4. Oktober 1813 wurde die Rückgabe des Landes beschlossen und am 1. März 1814 war es wieder frei, was mit unbeschreiblichem Jubel gefeiert wurde. Die Erzherzogin Marie Luise, Gemahlin Napoleons kam am 13. Mai von Innsbruck nach Hall, wo sie von 4 Schützenkompanien und türkischer Musik empfangen wurde. Landesschützenmajor Josef Ign. Straub in der österreichischen Offiziersuniform führte den ganzen Paradezug und die ganze Stadt war auf den Beinen. Der Jubel und die Begeisterung wollten kein Ende nehmen.

Am 29. Juni wurde in ganz Tirol das Fest der Rückgliederung Tirols an Österreich gefeiert. Die Chronik berichtet zum ersten Mal von einer Bürgermusik, welche mit den Schützen ein Festessen erhielt, wofür die Stadt 82 Gulden 60 Kreuzer zahlte. Am 15 August 1815 wurde die Spingeser-Fahne 100 Jahre alt. Am 29. Mai 1816 traf Kaiser Franz I. in Innsbruck ein, und am 31. eröffnete er ein großes Fest- & Freischießen mit zahlreichen Dukatenbesten. Den großen Festzug  eröffnete k.k. Landesschützenmajor Josef Speckbacher, wo auch die Haller Schützen mit der Bürgermusik und viele andere Schützenkompanien aus nah und fern teilnahmen.

Später ging das Schützenwesen wieder weiter, der Schützenjahrtag wurde in gewohnter Weise abgehalten und jeden Sonntag trafen sich die Schützen zum edlen Wettstreit am Schießstand. Am 9. Juli 1835 kam Erzherzog Johann nach Hall und beteiligte sich an dem ihm zu Ehren gegebenen Freischießen.

Am 14. August kam der Kaiser Ferdinand nach Hall, wo ihm ein festlicher Empfang bereitet wurde. In Innsbruck gab er ein großes Kaiserschießen.

Der rührige Badlwirt Josef Schwaiger, war ein eifriger Schütze, der auf seinem Grundstück eine Schießbude errichtete, die für die Rinner, Tulferer und Ampasser Schützen gedacht war. Später gesellten sich immer mehr Haller dazu. Das führte dazu, dass 1846 ein Schießstandstreit entstand, und sich zwei Parteien bildeten.

Am 6. Jänner 1847 teilten sich die beiden Schützengesellschaften. 41 verblieben auf der Lend und 39 gingen zum Badl. Nun trat der Bergrat Gottlieb v. Zöttl hervor, der mit seinen Ersparnissen über 900 Gulden und mit Hilfe der Schützen, insbesondere des Wirtes, der den Grund unentgeltlich zu Verfügung stellte, einen schönen Schießstand mit 8 Ständen erbaute. Die Entfernung war 200 Schritte. Leider dauerte die Freude nicht lange, denn im Frühjahr 1848 wurde es an der Südgrenze schon wieder unruhig. Garibaldi rückte mit seinen Freischaren heran, wurde aber von den Kaiserjägern bei Verna aufgehalten. Inzwischen wurden die Schützen aufgerufen und Schützenmeister Zöttl stellte eine eigene Kompanie auf, wofür er auch noch eine Fahne machen ließ und marschierte zum Gardasee hinunter. Dort empfing die Kompanie die Feuertaufe und es gelang ihr, die Feinde weit zurück zu werfen. Wofür ihnen Generalmajor v. Roßbach ein sehr gutes Zeugnis ausstellte. Es war euch eine zweite Haller Schützenkompanie unter Karl von Payr mit 128 Mann und der Spingeser-Fahne an der Südfront. Nach Beendigung der Kampfhandlungen kehrten die Schützen wieder nach hall zurück, wo sie stürmisch empfangen wurden. Im nächsten Jahr mussten sie abermals an die bedrohte Südfront eilen, wurden aber nicht mehr eingesetzt, da das Militär die Ordnung wieder herstellte.

Im Jahre 1852 wurde in Hall eine Bürgergarde geschaffen, die auch sogar eine Musikkapelle bekam, da einige Jahre vorher die Nationalgarde eingegangen ist. Die Uniformierung welche 600 bis 800 Gulden kostete bezahlte die Stadt.

Wegen den Bahnbau, deren Trasse durch das Schussfeld verlief, musste der Bezirks-Schießstand auf der Lend im Jahre 1856 aufgelassen werden, worauf sich beide Schützengesellschaften vereinigten und beim Badl weiterschossen.

Der Kaiser gab 1859 eine neue Landesverteidigungs-Ordnung heraus, da es an der welschen Grenze schon wieder unruhig wurde. Als erstes Aufgebot mussten die Landesschützen an die Front, dann kam die freiwillige Scharfschützenkompanie und zuletzt, der Landsturm. Die erste Kompanie stand unter Hauptmann Ferdinand Freiherr von Sternbach; die zweite unter Hauptmann Sudmeister Josef Vintl. Am 4. April besetzten die Haller Bondone und später kamen sie nach Bezecca, wo sie gegen Franzosen und Garibaldi-Freischärler einige Gefechte abzuwehren hatten. Bald darauf wurden sie abgelöst und kehrten in die Heimat zurück, worauf wieder eine längere Kriegspause eintrat.

Nun gab es wieder frohe Schützenfeste und Freischießen und im Jahre 1863 beim 600 jährigen Jubiläum „Tirol bei Österreich“ mit Kaiserbesuch gab es ein einmaliges Kaiserschießen mit viel Dukatenfahnen und herrliche Besten.

Im Jahre 1866 wollten die Preußen die Oberherrschaft über ganz Deutschland an sich reißen, und verbündeten sich mit Italien, das sowieso den Besitz von Venetien und Südtirol anstrebte, um Österreich von zwei Seiten anzugreifen. Gleich am 14. Juni wurde die erste Scharfschützenkompanie unter Hauptmann Sebastian Kastner mit 134 Mann in Marsch gesetzt. In der großen Schlacht bei Custozza am 24. Juni, wo Erzherzog Albrecht mit seinen 70.000 Mann und Tiroler Schützen gegen eine Übermacht von 120.000 Italiener und Garibaldi kämpfte, trugen die mutigen Haller Schützen ihren Teil zum Siege bei. Nachdem die Österreicher bei Königgrätz eine Schlacht verloren, wurde das Militär von Tirol abgezogen und die Tiroler mussten nun die weiteren Angriffe allein abwehren. Als die zweite Haller Kompanie unter Hauptmann Max Schluifer mit 103 Mann eintraf, verteilten sie sich um den Idrosee und wehrten alle Angriffe tapfer ab. Nach dem Friedensschluss konnten alle wieder in die Heimat abmarschieren.

Um sich weiterhin die Kaisergaben zu sicher, musste ein Weitschießstand mit 400 Schritt Entfernung gebaut werden und nach reiflicher Überlegung wurde in Mils, wo heute der Bezirksschießstand steht, ein neuer Schießstand im Jahre 1883 erbaut. Zur gleichen Zeit kamen die ersten Hinterlader die Werndlgewehre auf die Schießstände, worauf die Trefferergebnisse schnell verbessert wurden.

Der Oberschützenmeister des Haller Schießstandes Anton Mayr erfand und führte die Zugscheibe ein, die allgemein den besten Anklang fand und gleichzeitig hatte der Lds.Obering. A. Geppert eine mechanische Vorrichtung konstruiert, um bei Schwarzschüssen das Hervorspringen einer lustigen Figur und gleichzeitig den Abschuss eines Böllers bewerkstelligte. Beides fand auf allen Schießständen Nachahmung.

1888 wurde das Zimmergewehrschießen eingeführt, damit in den langen Wintermonaten das Schießen nicht unterbrochen werden musste. Im Jahre 1897 wurde auf Anlass des vor 100 Jahren bei Spinges errungenen Sieges, in Bozen ein ganz großer Schützenaufmarsch gestartet, zu dem sich 12.000 Schützen mit Fahnen und Musikkapellen aus allen Landesstellen herbeieilten. Die Haller Spingeserfahne erhielt dabei einen vergoldeten Lorbeerkranz auf die Spitze. Selbstverständlich wurde auch ein großes Landes Fest-& Freischießen gegeben.

Am 2. Juli 1899 war in Hall eine große Straubfeier mit einem Freischießen, wozu eine schöne Ehrenscheibe gespendet wurde. Der Schätzungsbefund des k.k. Bezirks-Schießstandes beim Badl ergab eine Summe von 7.920 Kronen.

Im Jahre 1900 besuchte Erzherzog Eugen als Landesstatthalter den Haller-Schießstand, wobei er die Anregung gab eine Standschützenkompanie zu gründen und Oberschützenmeister Dr. Waitz gründete im Jänner des kommenden Jahres dieselbe mit 40 Mann. Sie rückten nun einheitlich bei kirchlichen und vaterländischen Festanlässen im braunen Schützenrock und Hut mit Hahnfeder und in schwarzer Hose aus, wobei sie die Werndlgewehre trugen. Im Jahre 1903 bei der Stadterhebungsfeier war diese Kompanie schon nicht mehr wegzudenken. Am 24. April 1906 rückte diese Kompanie mit 43 Mann nach Wattens aus, wo den Rettenberger-Schützen eine Fahne erhielt.

In Hall wurde ein neues Bestreben wach und zwar wollten die Schützen ein würdiges Speckbacherdenkmal errichten, um die Nachwelt stets daran zu erinnern, dass dieser tapfere Tiroler ihnen ein Vorbild sein möge. Die ganze Bevölkerung war eifrig dabei durch ein großes Volksfest und viele sonstigen Spenden den Betrag für ein großes Denkmal aufzubringen. Außerdem waren die Schützen bestrebt für die Standschützenkompanie eine Speckbachertracht anzuschaffen. Am 28. Juni 1908 are es dann soweit. Die Stadt war im farbenfrohen Festkleid jeder Hausbesitzer wollte den anderen noch übertreffen beim Hausschmuck.

Am Festvorabend dröhnten gegen 9 Uhr abends die Böller und reifen zum großen Fackelzug, der sich unter Voranantritt der Salinenmusik durch die Straßen der Stadt bewegte. Ganz Hall war auf den Beinen und freute sich schon auf den kommenden Tag. Es war Herz-Jesu-Sonntag und schon um 4 Uhr früh krachten die Böller den ersten Festgruß. Um 6 Uhr trafen schon die ersten Schützenkompanien ein. Später kamen der H(S.15,5). Landeshauptmann, der Landes Statthalten und Erzherzog Eugen traf mit Gefolge ein, und Schützenkompanien aus ganz Tirol. Der Untere Stadtplatz war Festplatz mit Feldaltar. Anschließend marschierten die Festteilnehmer zum neuen Denkmal vor dem einige schöne Festansprachen gehalten und die tapferen Taten des Freiheitshelden besonders unterstrichen wurden.

Nachdem die Hülle vom Denkmal entfernt war brauste gewaltiger Jubel auf. Die Kaiserjäger gaben eine exakte Decharge ab und die Musik intonierte die Kaiserhymne. Welche von allen begeistert mitgesungen wurde. Da auf einmal ertönte, von der Salinenmusik gespielt, der neue Speckbacher-Schützenmarsch. Die Schützen übergaben das Denkmal in die Obhut der Stadt und der Bürgermeister versicherte, dass die Stadt stets für die Erhaltung und Betreuung desselben aufkommen werde. Von da an nannte man die Standschützenkompanie – die Speckbacher-Schützen, was sie bis heute geblieben sind. Das war wie eine Generalprobe für die Jahrhundertfeier in Innsbruck 1909. Es würde zu weit führen dieselbe hier zu beschreiben. Alle Tiroler Schützenkompanien und Blasmusikkapellen, es waren 158 und bei 33.000 wehrhafte Männer marschierten mit 715 Fahnen beim Festzug mit. Das Landes Hauptschießen war das größte und schönste aller Zeiten, mit einem riesigen Gabentempel.

Nachdem der Festjubel wieder vorbei war ging auch das Schützenleben wieder seinen gewohnten Gang. Am Haller Bezirks-Schießstand wurde an jedem Sonntag ein Übungsschießen abgehalten und die großen Kirchweih- & Martinischießen wurden sehr gut besucht. Im Jahre 1911 wurde im Juli ein sehr großes Freischießen mit vielen schönen Besten abgehalten, wobei über 3.000 Kronen ausgeschossen wurden. Das Recht zur Aufnahme in die Schützengilde begann mit dem vollendeten 17. Lebensjahre. Beim Sebastiani-Schützenjahrtag 1914 waren 102 Schützen und 46 Jungschützen und die Stadt spendete 300 Kronen zur Instandhaltung des Schießstandes. Bei Beginn des ersten Weltkrieges wurden die Schützen aufgefordert, sich für Kriegsdienste im Hinterland zu melden, aber schon am 23. Mai 1915 erklärte Italien an Österreich den Krieg, nachdem sie den Dreibund verlassen und ihr Versprechen durch Verrat gebrochen haben. „Tirol stand auf“. Vom Jüngling bis zum Greis meldeten sich zahlreiche Männer zu den Standschützen und ihre Zahl überstieg schon 38.000 Mann. Vom Gerichtsbezirk Hall wurde das Standesschützenbataillon Innsbruck II: und dieses unterstand dem Haller Major Fuchs.

Am 22. Mai gingen die Haller an die Front. Zuerst wurde am Unteren Stadtplatz eine Feldmesse gehalten, dann holten sie die 200 jährige alte Spingeser-Fahne, worauf der Treueeid abgelegt wurde und nach der Verabschiedung marschierten sie zum Bahnhof, wo sie eingeladen wurden. Zuerst fuhren sie nach Innichen und von dort marschierten sie nach Sexten weiter. Ihre erste Aufgabe war, den Mitterberg bis Heidegg zu besetzen, Schützengräben ausheben und Drahtverhaus sowie Stellungen zu errichten. Später kamen sie nach Pfandleck, wo schon die ersten Kämpfe stattfanden und zum Roteck auf dem einige schwere Angriffe abzuwehren waren. Auch der Seikofel musste oft verteidigt werden, sowie die Rotwandspitze und am Bocce di Trat. So ging es weiter bis zum Kriegsende, wo kein Meter Tiroler Boden verloren ging, ja die Standschützen waren auf der ganzen Linie im Feindeland. Dann kam der große Verrat und 39 Standschützen gerieten in Gefangenschaft, wo sie über ein Jahr in schwerer Knechtschaft ausharren mussten. Dann hat die Chronik eine große Lücke.

Erst im Jahre 1924 konnte beim Schützenjahrtag eine kleine Gilde wieder gegründet werden. Oberschützenmeister wurde der Bürgermeister Anton Schlögl; Unterschützenmeister Alois Hornsteiner sen. Räte: Josef Anker, Georg Locher, Franz Plattner, Iakob Bader, Karl Lechner und Franz Kirchner. Am 24. August wurde das erste Eröffnungsschießen abgehalten und dann ging es so weiter, aber nur mit wenig Schützen.

Am 6. Juli Ausrückung zur Einweihung der Haller Krieger-Kapelle. In der Kassa lagen allerdings einige Millionen Kronen, die aber durch die Inflation dahinschwammen. Der Schilling wurde eingeführt und im Jahre 1927 war der Mitgliedsbeitrag 3 Schilling. Die Sebastiani-Schützenjahrtage wurden immer abgehalten und die Schützenzahl stieg weitern an und die Kameradschaft sowie die Geselligkeit wurden weiterhin gepflegt. Wenn ein Kriegskamerad beerdigt wurde, spendete man einen Kranz, gab drei Böllerschüsse ab und mit dem silbernen Signalhorn wurde zum Gebet geblasen. Bei der Aufnahme musste der Bewerber ein Gesuch schreiben und erst die Vorstehung entschied, nach genauer Prüfung, ob er aufgenommen oder abgelehnt wurde. Auch die auswärtigen Schießstände öffneten wieder ihre Tore und bei allen größeren Freischießen beteiligten sich die Haller. Viele Schützen gaben Hochzeits – und Jubiläumsschießen, wobei sie immer schöne Beste spendierten. Da im Jahre 1432 in Hall der erste Schießstand gebaut wurde, gab die Gilde 1932 ein schönes Jubiläumsschießen mit einem schönen Gabentempel, der alle Schützen besonders aneiferte.

Nachdem die Mitgliederzahl weiter angestiegen ist, konnten I.J. 1937 schon 63 neue Schützen verzeichnet werden, dann kam 1938 mit vielen Neuerungen und dann kam auch der Krieg, wobei die meisten Schützen eingezogen wurden. Das Schützenwesen ging zwar weiter, viele Jungschützen wurden herangebildet und die Mitgliederzahl wurde sprunghaft in die Höhe getrieben. Dann gab es eine Lücke, weil für die Chronik keine Aufzeichnungen gefunden wurden. Dann kam das Ende des II. Weltkrieges 1945. Erst 1950 konnte wieder der total verwüstete Haller-Bezirksschießstand wieder aufgesucht werden, weil er(S.17) ein Bild des Grauens war. Keiner hatte die Schneid hier Ordnung zu machen, so dass einige von der Alten Garde die Speckbacher Kompanie einluden sich der Sache anzunehmen. Endlich fand sich auch einer, der fast ein Jahr seine Freizeit opferte und den Schießstand so herrichtete, dass 1952 der erste Schützenjahrtag und das Eröffnung-Schießen abgehalten werden konnte. Die Vorstehung: Oberschützenmeister Franz Plattner, 1. Schützenmeister Josef Sonnweber, 2. Schützenmeister Rudolf Probst, Räte: Heinrich Lener, Hans Lener, Hans Knapp, Edi Kirchebner, Willi Matevi, und Josef Jäger, Schützenhauptmann. Es wurde auch wieder ein Mitgliedsbeitrag eingeführt, da wir keinen Schilling in der Kassa hatten. Gleich darauf wurde der Bezirksschützenbund gegründet, den es zwar früher nicht gegeben hat.

Am Sebastiani-Sonntag 1955 waren schon 29 Schützen anwesend. Auch mit dem Bolzschießen wurde angefangen. Die alte Spingeserfahne, welche verstaubt und verdreckt im Stadtarchiv lag, wurde in Innsbruck vom Landes-Denkmalamt restauriert.

Beim großen Jubiläumsfestzug 1959 in Innsbruck beteiligten sich alle drei Fahnen und 15 adjustierte Schützen mit dem Schützenkönig. Im Jahre 1963 wurden schon die ersten Stimmen laut, dass uns der Schießstand wegen der Autobahn weggenommen wird und nach zwei Jahren war es soweit. Unverdrossen suchten die Schützen einen geeigneten Bauplatz und nachdem der alte Schießstand abgelöst wurde, konnte schon mit dem Bau des neuen begonnen werden. In verhältnismäßig kurzer Bauzeit konnte dieser große schöne Bezirksschießstand am 17. Mai 1968 eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Für die Schützen gab es sehr viel Arbeit, aber von den auswärtigen wurde allgemein volles Lob ausgesprochen. Das hatte auch zur Folge, dass der Mitgliederstand schnell in die Höhe ging. Der Schießstand hat 14 vollautomatische Scheiben und ein schönes Gastlokal mit Terrasse, im ersten Stock eine Wohnung sowie einen großen Auswertungsraum. Jedes Jahr wird ein großes Freischießen nebst vielen Übungsschießen abgehalten und im Winter, wenn im Keller das Zimmergewehrschießen im vollsten Gange ist, wird in der Schießhalle jährlich ein schönes Kränzchen abgehalten. Seit dem Jahre 1965 wird jedes Jahr ein Schützenkönigschießen, sowie die Gildemeisterschaft im KK und Zimmergewehr ausgetragen und seit zwei Jahren auch eine allgemeine Stadtmeisterschaft, welche immer sehr stark besucht wird.

Im Jahr 1970 wurde bei der Neuwahl Fritz Steinlechner zum Oberschützenmeister gewählt und sofort wehte ein neuer frischer Wind in der Gilde. Die Mitgliederzahl ging gleich sprunghaft in die Höhe und eine Menge kluger Neuerungen wurde eingeführt. Waren im Vorjahre beim großen Gedenkschießen, 160 Jahre nach dem Kampf um die Haller Innbrücke, wobei sich wie bekannt die Haller-Schützen unter Major Speckbacher immergrüne Lorbeeren geholt hatten, 380 Schützen; so waren beim Freischießen im Jahre 1972 über 400 beteiligte Schützen aus nah und fern.

Der Oberschützenmeister Fritz Steinlechner verstand es wie kein anderer, durch sein einmaliges Vorbild die Schützen anzufeuern und auch durch seine klug zusammengestellten Ladschreiben die Schützen aus nah und fern herzubringen. Alle die einmal hier waren kamen immer wieder und lobten den Haller Bezirksschießstand, sowie auch die Kammeradschaft, die sie hier vorgefunden haben. Durch das freundliche Entgegenkommen der Stadtgemeinde Hall wurde es möglich jedes Jahr eine Stadtmeistershaft auszuschießen(S.18), wobei sich alle Haller, auch solche die keine Gildemitglieder sind, beteiligten konnten.

Es soll hier auch verzeichnet sein, dass sich die Gildemitglieder sehr oft auch bei auswertigen Freischießen beteiligen. In Nord- und Südtirol und auch in Bayern.

Jedes Jahr werden auch Vergleichswettkämpfe gegen die Augsburger Schützen ausgetragen.

Nun kam auch das Pistolenschießen langsam auf. Anfangs wurde im Keller mit der Luftpistole und später dann auch mit der KK-Pistole geschossen und da sich die eifrigen Pistolenschützen mehrten ging die Gilde daran einen eigenen Pistolenstand zu bauen. Trotz der gewaltigen Baukosten ließ sich der Oberschützenmeister nicht abschrecken und mit guter Mithilfe einiger Schützen denselben zu erstellen, was eine ausgezeichnete Leistung ist. Damit hat sich Steinlechner ein Denkmal gesetzt, wie einst der Schützenmeister Gottlieb v. Zöttl, welcher mit eigenem Geld, den Schießstand an der Haller Innbrücke erstellt hatte.

 

Zum Gedenken an den einstmaligen Unterschützenmeister der Haller Gilde, Josef Ig. Straub, der im Jahre 1809 einige Zeit Hauptmann der Haller-Schützenkompanie war und sich außerordentlich bewährte, so dass ihn der Kaiser zum Landes-Schützen-Major ernannte, wurde eine große Straubfeier mit Freischießen abgehalten.

 

1974 Fest und Freischießen wie es Hall noch nie gesehen hat. Insgesamt über 2200 Schützen trafen sich an insgesamt 14 Schießtagen zum Wettstreit im Bezirksschießstand Hall zu Mils und im Elementarschießstand des österr. Bundesheeres Thaurer Mure. Es gab neben den üblichen Leistungsabzeichen, eigens in Zusammenarbeit mit der Haller Numismatischen Gesellschaft geprägten Münzen aus Brixlegger Ausbeutegold, Ausbeutesilber und Kupfer zu gewinnen.

 An der Ergänzung bis 2014 wird derzeit gearbeitet.

Schlusswort

Nun haben wir einen vielbewegten kleinen Teil der Haller Schützen-Chronik durchwandert und gesehen, was die Schützen seit der Gründung der ersten Schützenbruderschaft geleistet, gekämpft und wie sie zum Ruhme der Stadt beigetragen haben. Möge das mustergültige, kameradschaftliche Zusammenhalten auch weiterhin bestehen und die Schützen unserer Jubelgilde „nie lugg lass’n“, was auch gut zu unserem alten Motto passt:

„In der Eintracht liegt die Kraft!“

 

Chronist

Josef Sonnweber, Mils

 

Ergänzt durch OSM Arno Gufler

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